Erfolgreiche Autorenlesung mit Dr. Martin Kämpchen

Erfolgreiche Autorenlesung mit Dr. Martin Kämpchen

Wegen der Corona-Pandemie hält sich der Bopparder Schriftsteller Dr. Martin Kämpchen, der seit über 45 Jahren in Indien lebt und arbeitet, seit April in seiner Heimatstadt Boppard auf. In Zusammenarbeit zwischen der Stiftung „Kick for Help“, der VHS Boppard und dem Bopparder Buchladen fand jetzt eine gut besuchte Autorenlesung mit Martin Kämpchen in der Stadthalle Boppard statt.
Als Vorsitzender der Stiftung Kick for Help begrüßte Norbert Neuser die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Veranstaltung. Neuser stellte anschließend die Stiftung „Kick for Help“ mit anschaulichen Bildern kurz vor und ging dabei insbesondere auf das in Zusammenarbeit mit „Kick for Help“ und Martin Kämpchen gestartete Fußballprojekt in Indien ein. Angelika Steinforth, die im weiteren Verlauf der Veranstaltung als Moderatorin fungierte, führte danach mit schönen Worten in die eigentliche Autorenlesung ein.
Dann hatte Martin Kämpchen sozusagen das Wort. Er berichtete über Begegnungen aus Boppard, dem Leben in Indien und las aus einigen seiner vielen Bücher (u. a. „Lebens-Reisen“, „Am Abend notiert“ und „Was das Leben leuchten lässt“) über das Leben in der kleinen Universitätsstadt Santiniketan und in den umliegenden Dörfern, in denen die indigene Gruppe der Santals lebt, vor.
Im Anschluss an die Lesung konnten die Zuhörer/innen Fragen an den Autor stellen, wovon sie regen Gebrauch machten. Abschließend konnten die Teilnehmer/innen Bücher von Martin Kämpchen direkt in der Stadthalle am Stand des Bopparder Buchladens bei Dagmar Reitz käuflich erwerben. Auf Wunsch signierte Kämpchen die frisch erworbenen Bücher.

100 Jahre SSV Boppard Teil 4

100 Jahre SSV Boppard Teil 4

In diesem Jahr blickt der Spiel- und Sportverein 1920 Boppard e.V. auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Wegen der Corona-Beschränkungen sind die geplanten Jubiläumsveranstaltungen auf das kommende Jahr verschoben. „Rund um Boppard“ veröffentlicht in den kommenden Wochen „100 Jahre SSV Boppard“, zusammengestellt von Helmut Biller, Niko Neuser und Norbert Neuser.

Da Boppard über keinen eigenen Sportplatz verfügte wurden zunächst alle Spiele auswärts ausgetragen, bis die Heimspiele schließlich in Buchholz stattfinden konnten. Mehr als einmal mussten die Bopparder Fußballer zu Fuß nach Buchholz und zurück.
Der ehemalige Spieler des SSV Boppard,
Jochen Steiner, der auch zur SSV-Meistermannschaft 1957/58 gehörte, beschreibt in seinen Erinnerungen aus 2013 „Meine Zeit als Fußballspieler“ die damalige Situation mit vielen schönen persönlichen Eindrücken, Erlebnissen und kleinen Anekdoten:
„Auf der Buchholzer Heide“ Zwar gab es einen Sportplatz am Gymnasium, sogar mit Toren, aber der war für Fußballspiele viel zu klein, er entsprach nicht den vorgeschriebenen Maßen. Boppard wich auf den Hunsrück aus: nach Buchholz: Hier spielte man jetzt auf dem Sportplatz „Buchholzer Heide“, nachdem sich auch in Boppard wieder eine Mannschaft zusammengefunden hatte. Es waren – neben einigen älteren Spielern aus der Vorkriegszeit – meist junge Männer, die vor allem in englischer Gefangenschaft gewesen waren und dort die Möglichkeit zum Fußballspielen und zum Trainieren gehabt hatten.
Bald hatte Boppard wieder eine gute erste Mannschaft, die bei der Neuordnung durch den Fußball-Verband in die „1. Kreisklasse“ des Kreises St. Goar eingeteilt worden war, dort gleich auf Anhieb Meister wurde und im Entscheidungsspiel auf neutralem Platz in Oberwesel am 18. August 1946 den VfB Niedergondershausen mit 3:1 besiegen konnte. Aus dieser ersten Spielsaison existiert noch eine Zwischentabelle, in der Boppard nach 8 Spielen noch knapp hinter Gondershausen rangiert. Jochen Steiner schreibt in seinen Erinnerungen zu den in Buchholz ausgetragenen Heimspielen weiter: „Sonntags wanderten wir nun oft zusammen mit unserem Vater und vielen anderen Bopparder Fußballanhängern durch den „Hellerwald“ zum Sportplatz bei Buchholz. Wir hatten großen Spaß, wenn die Bopparder Fußball-Techniker die oft etwas ungelenk wirkenden Spieler aus den Hunsrückdörfern „schwindelig“ spielten. Vor allem den flinken Andy Decker, der noch mit meinem Vater zusammengespielt hatte, sahen wir gerne, wenn er als Rechtsaußen dicht vor uns die Linie entlang dribbelte. Oder auch den trickreichen „Schnackeler“, der mit seinen Gegnern „Katz und Maus“ spielte, so dass sie gar nicht mehr wussten, wo sie hinlaufen sollten, wenn er mal wieder ein paar Haken geschlagen hatte. Bei ihm störte mich allerdings, dass er nur spielen wollte, wenn sein Mitspieler Philipp Maser ihm aus dessen Metzgerei ein paar Würste oder Fleisch mitgebracht hatte. Aber das war, wie ich später erfuhr, in dieser Zeit bei vielen Spielern und Sportlern üblich. (Heute bekommen sie dafür Geld, oft viel zu viel Geld!) Damals hielt Sartoris „Bubi“ als Mittelläufer die Bopparder Abwehr zusammen, und vorne im Sturm sorgte vor allem Eulenborns „Buba“ als Mittelstürmer für die Tore. „ Leider stieg die Mannschaft damals nicht
in die höhere Klasse auf. Und auch im nächsten Jahr klappte es nicht, obwohl die Bopparder erneut Tabellen-Erster gewesen waren. Möglicherweise lag das (auch) daran, dass Boppard keinen eigenen Sportplatz und somit vor allem bei den Aufstiegsspielen keine Heimspiele hatte. Das sollte sich später ändern.“
Währungsreform und die besseren Lebensbedingungen stellten den Verein vor weitere Fragen: Die Spieler, die nicht mehr bereit waren, jeden Sonntag in Buchholz zu spielen, drängten darauf, einen eigenen Sportplatz herzurichten. Das Gelände des alten Sportplatzes, das die Franzosen nach der Besetzung wieder geräumt hatten, war nun durch einen Industriebetrieb blockiert. Nach einigem Hin und Her wurde von der Stadt die Erweiterung des Sportplatzes am Gymnasium in Aussicht gestellt.
Ein neuer Sportplatz Endlich bekam auch Boppard wieder seinen Sportplatz: Damals wurde der „Gymnasialplatz“, der bis dahin als Fußballplatz für Meisterschaftsspiele zu klein gewesen war, ausgebaut. Dazu mussten zunächst zwei Gartengrundstücke neben bzw. hinter dem Sportplatz erworben werden. Der Platz wurde also verlängert, nach der Rhein-Seite hin auch etwas verbreitert, wozu eine Bruchsteinmauer errichtet wurde. (Darin eingebaut wurde auch der Gedenkstein an „Turnvater Jahn“, der zuvor in den Rheinanlagen – an fast gleicher Stelle – als Denkmal gestanden hatte.) Nachdem Erde aufgefüllt worden war, wurde der Platz planiert, sodann mit Aschenschlacke bedeckt und gewalzt. Das alles geschah überwiegend in Eigenarbeit durch viele Vereinsmitglieder und Fußballfreunde. Auch unser Klassenlehrer Hermann Holz stand da manches Mal mit der Schaufel in der Hand, was uns beeindruckte. Zum Schluss wurden die Tore gebaut und dahinter zwei hohe Drahtzäune errichtet,um zu verhindern, dass die Bälle in die Gärten der Nachbarn oder in die Fenster der Häuser flogen. Jetzt entsprach der Platz hinsichtlich seiner Größe den Mindestanforderungen an einen Fußballplatz, er war aber trotzdem immer noch recht klein und vor allem eng: Die Seitenlinien waren nur knapp einen Meter von den Tribünenstufen entfernt, und zwischen der Torauslinie und dem Zaun war der Abstand noch geringer. Als Spieler hatte man deshalb oftmals „Tuchfühlung“ mit den Zuschauern, die daher meist auf den oberen Stufen standen. Unangenehm war zudem, dass der Schlackenbelag an manchen Stellen nicht fein genug gemahlen war: hier gab es, wenn man darauf fiel, manche Blessuren.
Insgesamt aber waren wir froh, jetzt in
Boppard einen Sportplatz zu haben, auf dem Fußball wie übrigens auch Handball gespielt werden konnte. Denn damals gab es noch Feldhandball, aber keinen Hallenhandball. Die Bopparder hatten eine sehr gute 1. Handball-Mannschaft, die in der Landesliga, also der zweithöchsten Klasse spielte. Die Spiele gegen Mühlheim-Kärlich, Pfalzel oder andere Mannschaften haben wir uns gerne angeschaut, vor allem wegen der tollen Torwartparaden: Weil nämlich die Bälle aus größerer Entfernung auf`s Tor geworfen wurden, blieb für den Torwart etwas mehr Zeit zum Reagieren. Und da das Tor so groß wie ein Fußballtor war und außerdem so gut wie jeder Angriff mit einem Wurf auf`s Tor abgeschlossen wurde, sah man oft spektakuläre Paraden. Auch die Fußballer spielten natürlich auf dem neuen Platz, und wir haben manches
schöne und spannende Spiel gesehen. Leider aber fiel die erste Mannschaft bald auseinander: Einige Spieler zogen fort oder wurden abgeworben wie vor allem der schon erwähnte, damals wohl beste Spieler Sartori, dem nach einem Freundschaftsspiel gegen Neuss-Weißenberg eine Stelle als Platzwart im Neusser Jahnstadion angeboten wurde. Andere beendeten das Fußballspeilen aus Altersgründen, und nachrückende junge Spieler fehlten, da es in Boppard bis dahin keine Jugendmannschaften gegeben hatte. Die wurden erst 1949 nach Fertigstellung des Sportplatzes vor allem aus dem Gros der „Angerter“ neu zusammengestellt, und da gehörten wir – mein Bruder Klaus und ich – natürlich dazu: Er in der C-Jugend (12-14 Jahre), ich in der B-Jugend (14-16 Jahre).“ Die Nutzung des Gymnasialsportplatzes
wurde erst durch einen Grundstückstausch möglich, den der damalige Bürgermeister Jakob Clotten mit dem Besitzer des an den Sportplatz grenzenden Garten aushandelte. Die Herrichtung des neuen Sportplatzes führte der Verein in Eigenregie durch. In einzelnen Arbeitsgruppen wurde in Tages- und Nachtschichten am Bau des Sportplatzes gearbeitet. Diese unbezahlten Arbeitsleistungen der vielen freiwilligen Helfer machten es möglich, dass in Boppard wieder Fußball, Handball und Leichtathletik betrieben werden konnte. Es stellten sich jedoch erneut Schwierigkeiten ein: Fußball- und Handballabteilung vermehrten ihre Mannschaften und die Leichtathleten benötigten häufig den Sportplatz für das Training.
Auch die Reserve-Mannschaft wurde ein unverzichtbarer Bestandteil des sportlichen Erfolges, da ihre Spieler immer wieder bei verletzungsbedingten Ausfällen in der 1. Mannschaft eingesetzt werden konnten. Am 11. Mai 1951 stellten sich folgende „Reservisten“ dem Fotografen: Erfolgreich startete auch die Jugendarbeit. Im Jahr 1949 nahm die unter Betreuer und Trainer Willi Held neu aufgestellte BJugend erstmals an einer Meisterschaftsrunde teil und wurde auf Anhieb Kreismeister des Kreises St. Goar. Bei den anschließenden Bezirksmeisterschaften belegte sie hinter Metternich und Bad Ems einen guten 3. Platz. In der Spielzeit 1950/51 rückte die Mannschaft geschlossen in die A-Jugend auf und belegte hinter Bad Salzig den 2. Tabellenplatz. Im Entscheidungsspiel nach Punktgleichheit gewann Bad Salzig mit 2 : 1 Toren. Es spielten für Boppard: Benner, Christ, Maring, Heidger, Schneider, Steiner, Kölges, Eulenborn, Rätz, Laich, Sturmes, Marx, Astor, Stapf und Hermannspahn. Die Erfolge im Jugendfußball setzten sich in der Folgezeit fort. Martin Staaden, Willi Held, Willi Altenhofen, Matthias Lindemann, Alfred „Stämmche“ Werner, Jupp Wiegel, Erwin Kress, Peter Link, H. Anhut, Willi Rätz, Georg und Günter Ottenbreit, Bubi Hermannspahn, Rolf Fieseler, Adolf Kollmar, Hartmut Wolf, Theo Jeuken, Karl-Heinz Becker und viele andere „Ehrenamtliche“ opferten von den 1950 bis in die 70er Jahre ihre freie Zeit und waren als Trainer, Betreuer und/oder Sponsor Garanten für eine erstklassige Jugendarbeit.

100 Jahre SSV Boppard Teil 3

100 Jahre SSV Boppard Teil 3

In diesem Jahr blickt der Spiel- und Sportverein 1920 Boppard e.V. auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Wegen der Corona-Beschränkungen sind die geplanten Jubiläumsveranstaltungen auf das kommende Jahr verschoben. „Rund um Boppard“ veröffentlicht in den kommenden Wochen „100 Jahre SSV Boppard“, zusammengestellt von Helmut Biller und Norbert Neuser.

Der 2. Weltkrieg mit all seinen verheerenden Auswirkungen brachte natürlich auch für den Fußballsport in Boppard einen tiefen Einschnitt. Viele Vereinsmitglieder waren gefallen, vermisst oder in Kriegsgefangenschaft.
Im Protokollbuch ist unmittelbar nach dem Krieg vermerkt: „Im 2. Weltkrieg ließen ihr Leben für uns folgende bekannten Mitglieder und Aktiven : 1.Hans Sturmes 2.Peter Hartenfels 3.Herbert Tonner (?) 4.Karl Breitbach 5.Paul Sevenig (langjähriger Verteidiger der 1. Elf) 6.Adam Münch 7.Peter Breitbach (langj. Schiedsrichter) Viele unserer alten Kameraden sind vermisst oder befinden sich noch heute in französischer oder russischer Kriegsgefangenschaft.“ Die amerikanische Besatzungszeit wurde am 10. Juli 1945 durch die französische Besatzung abgelöst. Ein Sportplatz zum Fußball spielen war allerdings nicht mehr vorhanden, denn der „Alte Sportplatz“ war mit Schuppen und Baracken für die Kraftfahrzeuge der französischen Besatzungstruppen belegt. Es wurden Schritte unternommen, den Sportplatz wiederherzurichten, aber alle Bemühungen waren vergebens. Alte Sportkameraden fanden sich zusammen, um den Verein wieder zu beleben. Genannt werden: W. Gabriel, Jos. Dany, M. Staden, P. Günther und F. Münch. Man erreichte schließlich, dass die französische Kreiskommandatur am 1. Februar 1946 die Erlaubnis zur Neugründung des Vereins gab. Und in einer außerordentlichen Generalversammlung am 6. Februar 1946 konnte die Neugründung vollzogen werden. Die Leitung der Fußballabteilung übernahm Martin Staden, Obmann für die Jugend wurde Josef Dany.
Herausgehoben werden die Leistungen des Mittelstürmers T. Weirich, Sohn des alten Mittelstürmers Fritz Weirich aus den 20er Jahren und der Spieler Lauer und VerDonck. Und bester Mann – so der Chronist – „war der Bopparder Mittelläufer Räpple, der zu kühnsten Hoffnungen Anlass gibt“. Schnell war in Boppard die alte Fußballeuphorie zurück, wie das erste Meisterschaftsspiel am 17. März 1946 beweist. In der 1. Kreisklasse St. Goar spielte die 1. Mannschaft gegen 1.Sp.V. Rot-Weiß Dörth und gewann glatt mit 5:0 in Dörth. Die Euphorie gründete sich nicht nur auf die Leistungen der Bopparder Elf, sondern vor allem auf das hohe Interesse bei den Bopparder Zuschauern, die mit insgesamt 80 Schlachtenbummlern auf 2 LKW die BopparHervorragend war auch als Rechtsaußen Eulenborn, Andi Decker war ältester Spieler und Mannschaftskapitän. Optimistisch gibt sich der Verein nach diesem Spiel, ist man doch sicher, dass mit dieser Elf an alter gute Zeiten wieder angeknüpft werden kann. Schnell konnte sich auch eine 2. Mannschaft bilden, ebenso eine 1a Jugend. Die alte Rivalität mit dem Nachbarverein aus Salzig bereits im Spiel gegen Sp.V. Salisso am 31. März 1946 zum Ausbruch. Das Spiel in Salzig endete 3:2 für Boppard und ist als abgebrochen vermerkt, obwohl es regulär geendet hatte. Was war geschehen? Boppard erzielte kurz vor Schluss den 3:2-Siegtreffer, das Tor wurde vom Schiedsrichter anerkannt, doch nach dem Spiel bedrängten Salziger Zuschauer den Schiedsrichter aus St. Goar und erklärten ihm, dass die reguläre Zeit längst abgelaufen war. Wie das Problem gelöst wurde und wie das Spiel gewertet wurde ist nicht mehr feststellbar, Tatsache ist allerdings, dass bereits 1946 eine Spruchkammerinstanz die Vorfälle in Salzig zu bewerten hatte. Obwohl Boppard keinen eigenen Platz hatte war die Fußballbegeisterung riesengroß. Boppard trug seine Heimspiele in Buchholz auf der Heide aus.
700 begeisterte Zuschauer kamen am 14. April 1946 „auf den Bopparder Sportplatz in
Und nach 6½ Jahren fand dann schließlich am Sonntag, 17. Februar 1946 das erste Fußballspiel statt. Die 1a-Jugend spielte in Salzig gegen die 1. Mannschaft des dortigen Sp.V. 1945 Salisso und verlor mit 5:3. Körperlich waren die Bopparder Jugendspieler (alle Jahrgang 1927) unterlegen, aber die gezeigten Leistungen der Bopparder gaben Anlass zu Hoffnung im Hinblick auf ein Mitwirken in der 1. Elf.
Boppard bestritt sein allererstes Fußballspiel in folgender Aufstellung : Biller I
Jörig (?) Jahraus (?) Räpple Ver-Donck Kasper Lauer Schneider T. Weirich Kersting Gick
der Elf im Auswärtsspiel auf dem Vorderhunsrück unterstützten.
In diesem bemerkenswerten ersten Meisterschaftsspiel traten für Boppard an: Sturmes Jos.
Maser Phl. Caspary Ver-Donck W. Decker R. Hermannspahn Jos. Räpple K.H. Eulenborn
Hellbach H. Decker A. Pfeiffer H.
Der Chronist vermerkt : „Eine angenehme Überraschung war Torhüter Josef Sturmes, der vor 6 ½ Jahren in der 2.Elf auf Linksaußen spielte, übrigens ein Bruder des im Kriege gefallenen Hans Sturmes, der jahrzehntelang das Bopparder Tor hütete.“
Hervorragend war auch als Rechtsaußen Eulenborn, Andi Decker war ältester Spieler und Mannschaftskapitän. Optimistisch gibt sich der Verein nach diesem Spiel, ist man doch sicher, dass mit dieser Elf an alter gute Zeiten wieder angeknüpft werden kann. Schnell konnte sich auch eine 2. Mannschaft bilden, ebenso eine 1a Jugend. Die alte Rivalität mit dem Nachbarverein
aus Salzig bereits im Spiel gegen Sp.V. Salisso am 31. März 1946 zum Ausbruch. Das Spiel in Salzig endete 3:2 für Boppard und ist als abgebrochen vermerkt, obwohl es regulär geendet hatte. Was war geschehen? Boppard erzielte
kurz vor Schluss den 3:2-Siegtreffer, das Tor wurde vom Schiedsrichter anerkannt, doch nach dem Spiel bedrängten Salziger Zuschauer den Schiedsrichter aus St. Goar und erklärten ihm, dass die reguläre Zeit längst abgelaufen war. Wie das Problem gelöst wurde und wie das Spiel gewertet wurde ist nicht mehr feststellbar, Tatsache ist allerdings, dass bereits 1946 eine Spruchkammerinstanz die Vorfälle in Salzig zu bewerten hatte. Obwohl Boppard keinen eigenen Platz hatte war die Fußballbegeisterung riesengroß. Boppard trug seine Heimspiele in Buchholz auf der Heide aus.
700 begeisterte Zuschauer kamen am 14. April 1946 „auf den Bopparder Sportplatz in Buchholz“ zum Spiel gegen den Tabellenersten VfB 1921 Niedergondershausen. Boppard verlor allerdings knapp mit 2:3, trotz angeblich besserer Leistung. Aber die Kasse stimmte, 327 Reichsmarkt wurden eingenommen. Die Fußballbegeisterung wuchs besonders bei den Jugendlichen, denn neben einer 1. und 2. Elf gab es bereits Ostern 1946 eine 1a Jugendmannschaft, 2a Jugendmannschaft und 3a Jugendmannschaft in Boppard, obwohl man über keinen eigenen Platz verfügte. Die Gegner waren aus der unmittelbaren Nachbarschaft wie Sp.V. Salisso Salzig, FC 1911 Rheinfels St. Goar, Sp.V. 08 Vesalia Oberwesel, 1.Sp.V. Buchholz, 1.Sp.V. 1931 Weiler – Boppard, VfB 1921 Niedergondershausen, Sp.V. Wacker Ney, 1.FSV Liesenfeld, FC 1921 Urbar b. St.Goar, FC Rot-Weiß Dörth, Sp.V. Leiningen – Norath, SchwarzRot Kratzenburg , Sp.V. 08 Braubach, FC Nassau Kamp, Sp.V. Dellhofen/Oberwesel. Einen hohen 15:0-Sieg landeten die Bopparder am 19.5.1946 gegen Rot-Weiß Dörth, bei dem Mittelstürmer Caspary allein 8 Tore erzielte.
Und erneut hatte das Lokalderby gegen Salzig besondere Brisanz. In Buchholz wurde das Spiel nach 25. Minuten bei einer 1:0Führung von Boppard abgebrochen. Linksverteidiger Ver-Donck war mit Salzigs Rechtsaußen Hoffmann hart aneinander geraten. Ohne eine Entscheidung des Buchholzer Schiris Kühn abzuwarten verließ die Salziger Mannschaft den Platz. Ein ganz bemerkenswertes Spiel war am
Sonntag, 16.6.1946 in Niedergondershausen. Es ging um die Meisterschaftsentscheiung im Kreis St. Goar und es muss wohl das beste spiel seit Aufnahme des Spielbetriebs nach dem 2. Weltkriegs gewesen sein. Nach großem Kampf gab es aus Bopparder Sicht lediglich ein Unentschieden mit 5:5, Halbzeit 2:3 für Niedergondershausen. Sage und schreibe 1500 Zuschauer verfolgten dieses Spitzenspiel. Für Boppard spielten . Biller I
Weirich I Räppl Altenhofen Hermannspahn Maser Decker I Eulenborn Caspary Krautkrämer I
Sturmes Am 18. August 1946 kam es schließlich zum Entscheidungsspiel , um sich für die Aufstiegsspiele zur Bezirksliga zu qualifizieren. Auf neutralem Platz in Oberwesel siegten die Bopparder gegen den VfB Niedergondershausen mit 3:1.
200 Schlachtenbummler aus Boppard begleiteten auf 5 LKW die Bopparder Mannschaft zu diesem Entscheidungsspiel. Allein durch den Transport mit 5 LKW konnte der Verein von den Schlachtenbummlern 412 Reichsmark einnehmen.
Gemeinsam mit Miesenheim und Kaltenengers spielte Boppard nun um den Aufstieg, bei dem sich 2 der 3 Mannschaften für die Bezirksliga qualifizieren konnten. Das erste Aufstiegsspiel stand unter keinem guten Stern, A. Decker und Phl. Maser mussten kurzfristig absagen, beim Stand von 1:1 fabrizierte – so die Formulierung in der Chronik – der ansonsten starke Linksverteidiger Ver-Donck 2 Eigentore, das Spiel ging mit 1:5 verloren. Und auch das 2. Aufstiegsspiel gegen Miesenheim verlor man mit 0:2, nachdem man einen Elfmeter verschossen hatte und einen Platzverweis hinnehmen musste.

Bundesligist Mainz 05 unterstützt Kick for Help

Boppard/Mainz. Der FSV Mainz 05, der nach schwieriger Saison erstklassig geblieben ist, hat jetzt die Bopparder Fußball-Stiftung Kick for Help großzügig mit Trikotspenden unterstützt.
5 komplette Trikotsätze hat Kick for Help für die internationalen Fußballprojekte in Afrika und Asien von Mainz 05 erhalten. Damit sollen die Fußballprojekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche, für Mädchen – und Frauenteams sowie für Kinder und Jugendliche in einem Sinti- und Roma-Förderprojekt unterstützt werden. Die Trikotsätze von Mainz 05 wurden jetzt um das von dem Sportartikelbetreiber ABSOLUTE-TEAMSPORT-HESSE mit dem Emblem Kick for Help am Ärmel ergänzt und gehen per Post nach Indien, Kenia, Lesotho, Ruanda und Ungarn.

Christoph Hesse vom Kuratorium der Stiftung und Norbert Neuser: „Wir sind Mainz 05 sehr dankbar für die tolle Unterstützung unserer Arbeit. Für die betroffenen Spielerinnen und Spieler ist es eine hohe Motivation, in original Bundesliga-Trikots zu trainieren und Spiele zu bestreiten; die Bundesliga steht in all diesen Ländern hoch im Kurs. Wir hoffen, dass nach dem Lockdown durch die Corona-Krise schnell wieder in den Ländern trainiert und gespielt werden kann, damit die Trikots dementsprechend genutzt werden können.“

100 Jahre SSV Boppard Teil 2

100 Jahre SSV Boppard Teil 2

In diesem Jahr blickt der Spiel- und Sportverein 1920 Boppard e.V. auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Wegen der Corona-Beschränkungen sind die geplanten Jubiläumsveranstaltungen auf das kommende Jahr verschoben. „Rund um Boppard“ veröffentlicht in den kommenden Wochen „100 Jahre SSV Boppard“, zusammengestellt von Helmut Biller, Niko Neuser und Norbert Neuser.
 
Teil 2: Fußball in Boppard in den 20er und 30er Jahren Suche nach einer Spielstätte und Aufschwung

Die Frage eines geeigneten Sportplatzes zur Austragung der Fußballspiele zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des SSV Boppard und seines Vorgängers Bopparder Fußball- und Sportverein FSV Boppard. So gelang es den Vereinsverantwortlichen 1923 die Genehmigung zum Ausbau und zur Herrichtung des „Alten Friedhofes“ – heute Alter Sportplatz – zu erhalten. Auch dies kostete den Vorstand einige Mühen, denn die damaligen Stadtväter meinten, „man dürfte nicht auf den Gebeinen der Vorfahren Fußball spielen“. Erst als der bekannte Zirkus Sarasani in Boppard weilte und seine Zirkusvorstellungen „auf den Gebeinen der Vorfahren mit allerlei wildem Getier“ abhielt, billigten die Stadtväter dies auch den Fußballern. Das Gelände musste in mühevoller Kleinarbeit hergerichtet und ein Zaun zur Bahn erstellt werden. Der Verein war jetzt auch breiter aufgestellt und verfügte über eine Reservemannschaft, die mit Urbar, Kamp, St. Goarshausen, Wellmich, Osterspay, St .Goar und Oberwesel in einer Klasse spielte. Hinzu kam eine Alte Herren Mannschaft und eine 1a Jugendmannschaft, später eine 2a Jugendmannschaft. Einen Höhepunkt erreichte der Vereinsaufbau nach 1931, als die Bopparder in der höchsten Spielklasse des Westdeutschen Fußballverbandes spielten, gemeinsam mit Vereinen wie TuS Neuendorf, SV Niederlahnstein, SC Oberlahnstein und FC Germania Metternich. In der Bilanz des Spieljahres 1931/32 ist von Schriftführer Martin Staaden akribisch aufgelistet: Ligamannschaft: 38 Spiele, gewonnen 12, unentschieden 6, verloren 20, Tore: 98:125. Reservemannschaft: 25 Spiele, gewonnen 9, unentschieden 5, verloren 11, Tore: 79:76. Alte-Herren-Mannschaft: 15 Spiele, gewonnen 6, unentschieden 2, verloren 7, Tore: 40:40. 1a Jugendmannschaft: Spiele 24, gewonnen 15, unentschieden 3, verloren 6, Tore: 76:46. Gesamtzahl aller Spiele: 102 Spiele, gewonnen 42, unentschieden 16, verloren 44, Tore: 293:287 Weiter heißt es in der Bilanz über das Spieljahr 1931/32: Durch ein neues Spielsystem müssen rund 50 Prozent der Vereine absteigen. Alte Vereine wie Lützel, Neuwied 04, Preußen Koblenz, Wied Niederbieber und Metternich müssen aus der Bezirksliga absteigen. So heißt es im Mittelrheinischen Volksblatt 1932: „Betroffen vom Abstieg ist aber auch unser Verein. Jahrelang haben die Bopparder in ihrer Klasse immer an der Spitze gelegen, 1. Gauklasse, 2. Bezirksklasse, 1. Bezirksklasse und dann die Bezirksliga wurden in hintereinander folgenden Jahren im Sprung genommen. Infolgedessen ist der Abstieg für unseren Verein besonders schmerzlich. Die Bopparder aber werden trotz dieses Rückschlags, der nur auf ganz ungewöhnliche Verhältnisse zurückzuführen ist, den Mut nicht sinken lassen, gestützt auf die in der Bezirksliga sich erworbene Spielerfahrung und Härte, auch in der 1. Bezirksklasse sich durchzusetzen wissen. Das hat aber zurVoraussetzung, dass die Spieler der 1. Elf die Sommerpause mit intensivem Training ausnützen. Wer rastet, der rostet!“ Die Bilanz der Verantwortlichen endet in einem Appell an die Bopparder Bevölkerung: „Weißt Du, lieber Leser, wieviel ehrenamtliche Arbeit bei Abwicklung dieser großen Zahl Spiele und vor allen Dingen, wieviel Geld die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs trotz der Not der Zeit gekostet hat? Würdest Du einmal Einblick nehmen können, Du müsstest dieser Arbeit Anerkennung zollen und mit Deinem Beitrag unterstützen. Alle Vorstandsmitglieder nehmen Anmeldungen entgegen. Handele und hole das Versäumte schnellstens nach.“ 1934 stiegen die Bopparder allerdings wieder ab. Erst 1939 gelang es dem Fußballverein, dieses Klassenziel wieder zu erreichen. Allerdings betritt man wegen des Kriegsausbruchs nur noch ein einziges Spiel gegen TuS Neuendorf, , dass mit 1:4 verloren ging. Den erneuten Aufstieg in die höchste Klasse schilderte das Nationalblatt wie folgt: „Auch diese Einheit hat nicht unverdient den Aufstieg geschafft. Sie zählt zu den Mannschaften, die schon Jahre lang einen guten Fußball spielten und vor allem zu Hause eine Mannschaft sind, die so leicht nicht ‚aus dem Sattel‘ gehoben wird. In der kommenden Saison haben die Bopparder ebenfalls die Gelegenheit, gegen spielstarke Mannschaften ihr Können zu beweisen“. Mit dem Kriegsausbruch am 1. September 1939 wurde der Spielbetrieb, obwohl die anderen Mannschaften der Klasse noch weiterspielten, in Boppard eingestellt. Es folgten schlimme 6½ Jahre, in denen der Fußballsport in Boppard brachlag. Boppard hatte vor allem in den 30er Jahren Auswahl einige herausragende Spieler. „Im großen Fußballkampf“ Gau Hunsrück gegen Gau Koblenz stellte Boppard in der Auswahlmannschaft Hans Sturmes (Torwart), Alf Weirich als Mittelläufer sowie Clemens Steiner und Willi Altenhofen als Rechtsaußen und Halbrechts. Jochen Steiner, nach dem Krieg gemeinsam mit seinem Bruder Klaus Steiner für den SSV Boppard erfolgreich, berichtet in seinen Erinnerungen von Alf Weirich, dem damals wohl besten Bopparder Spieler, der eine Einladung der Deutschen Nationalmannschaft zu einem Lehrgang erhalten haben soll, von der er aber nie erfuhr. Es ging das Gerücht, dass die Vereinsleitung die Anfrage „heimlich“ verschwinden ließ aus Sorge, dass Boppards bester Spieler dann von größeren Vereinen abgeworben werde. Der Vorfall wurde nie aufgelöst. Lange Jahre erfolgreich spielte auch Andi Decker von der 4a Jugend 1924 bis zur 1. Mannschaft als 37-jähriger Stammspieler nach dem Krieg 1949. Ein bemerkenswertes Ereignis war das sogenannte Propagandaspiel am 2. Januar 1938 um 2.30 Uhr nachmittags auf dem städtischen Sportplatz: die Alten Kanonen gegen die 1. Meister-Elf, mit Protektor Franz Adolf Lorenz und Pressefotograf Carl Daiber.