In diesem Jahr blickt der Spiel- und Sportverein 1920 Boppard e.V. auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Wegen der Corona-Beschränkungen sind die geplanten Jubiläumsveranstaltungen auf das kommende Jahr verschoben. „Rund um Boppard“ veröffentlicht in den kommenden Wochen „100 Jahre SSV Boppard“, zusammengestellt von Helmut Biller und Norbert Neuser.
Der 2. Weltkrieg mit all seinen verheerenden Auswirkungen brachte natürlich auch für den Fußballsport in Boppard einen tiefen Einschnitt. Viele Vereinsmitglieder waren gefallen, vermisst oder in Kriegsgefangenschaft.
Im Protokollbuch ist unmittelbar nach dem Krieg vermerkt: „Im 2. Weltkrieg ließen ihr Leben für uns folgende bekannten Mitglieder und Aktiven : 1.Hans Sturmes 2.Peter Hartenfels 3.Herbert Tonner (?) 4.Karl Breitbach 5.Paul Sevenig (langjähriger Verteidiger der 1. Elf) 6.Adam Münch 7.Peter Breitbach (langj. Schiedsrichter) Viele unserer alten Kameraden sind vermisst oder befinden sich noch heute in französischer oder russischer Kriegsgefangenschaft.“ Die amerikanische Besatzungszeit wurde am 10. Juli 1945 durch die französische Besatzung abgelöst. Ein Sportplatz zum Fußball spielen war allerdings nicht mehr vorhanden, denn der „Alte Sportplatz“ war mit Schuppen und Baracken für die Kraftfahrzeuge der französischen Besatzungstruppen belegt. Es wurden Schritte unternommen, den Sportplatz wiederherzurichten, aber alle Bemühungen waren vergebens. Alte Sportkameraden fanden sich zusammen, um den Verein wieder zu beleben. Genannt werden: W. Gabriel, Jos. Dany, M. Staden, P. Günther und F. Münch. Man erreichte schließlich, dass die französische Kreiskommandatur am 1. Februar 1946 die Erlaubnis zur Neugründung des Vereins gab. Und in einer außerordentlichen Generalversammlung am 6. Februar 1946 konnte die Neugründung vollzogen werden. Die Leitung der Fußballabteilung übernahm Martin Staden, Obmann für die Jugend wurde Josef Dany.
Herausgehoben werden die Leistungen des Mittelstürmers T. Weirich, Sohn des alten Mittelstürmers Fritz Weirich aus den 20er Jahren und der Spieler Lauer und VerDonck. Und bester Mann – so der Chronist – „war der Bopparder Mittelläufer Räpple, der zu kühnsten Hoffnungen Anlass gibt“. Schnell war in Boppard die alte Fußballeuphorie zurück, wie das erste Meisterschaftsspiel am 17. März 1946 beweist. In der 1. Kreisklasse St. Goar spielte die 1. Mannschaft gegen 1.Sp.V. Rot-Weiß Dörth und gewann glatt mit 5:0 in Dörth. Die Euphorie gründete sich nicht nur auf die Leistungen der Bopparder Elf, sondern vor allem auf das hohe Interesse bei den Bopparder Zuschauern, die mit insgesamt 80 Schlachtenbummlern auf 2 LKW die BopparHervorragend war auch als Rechtsaußen Eulenborn, Andi Decker war ältester Spieler und Mannschaftskapitän. Optimistisch gibt sich der Verein nach diesem Spiel, ist man doch sicher, dass mit dieser Elf an alter gute Zeiten wieder angeknüpft werden kann. Schnell konnte sich auch eine 2. Mannschaft bilden, ebenso eine 1a Jugend. Die alte Rivalität mit dem Nachbarverein aus Salzig bereits im Spiel gegen Sp.V. Salisso am 31. März 1946 zum Ausbruch. Das Spiel in Salzig endete 3:2 für Boppard und ist als abgebrochen vermerkt, obwohl es regulär geendet hatte. Was war geschehen? Boppard erzielte kurz vor Schluss den 3:2-Siegtreffer, das Tor wurde vom Schiedsrichter anerkannt, doch nach dem Spiel bedrängten Salziger Zuschauer den Schiedsrichter aus St. Goar und erklärten ihm, dass die reguläre Zeit längst abgelaufen war. Wie das Problem gelöst wurde und wie das Spiel gewertet wurde ist nicht mehr feststellbar, Tatsache ist allerdings, dass bereits 1946 eine Spruchkammerinstanz die Vorfälle in Salzig zu bewerten hatte. Obwohl Boppard keinen eigenen Platz hatte war die Fußballbegeisterung riesengroß. Boppard trug seine Heimspiele in Buchholz auf der Heide aus.
700 begeisterte Zuschauer kamen am 14. April 1946 „auf den Bopparder Sportplatz in
Und nach 6½ Jahren fand dann schließlich am Sonntag, 17. Februar 1946 das erste Fußballspiel statt. Die 1a-Jugend spielte in Salzig gegen die 1. Mannschaft des dortigen Sp.V. 1945 Salisso und verlor mit 5:3. Körperlich waren die Bopparder Jugendspieler (alle Jahrgang 1927) unterlegen, aber die gezeigten Leistungen der Bopparder gaben Anlass zu Hoffnung im Hinblick auf ein Mitwirken in der 1. Elf.
Boppard bestritt sein allererstes Fußballspiel in folgender Aufstellung : Biller I
Jörig (?) Jahraus (?) Räpple Ver-Donck Kasper Lauer Schneider T. Weirich Kersting Gick
der Elf im Auswärtsspiel auf dem Vorderhunsrück unterstützten.
In diesem bemerkenswerten ersten Meisterschaftsspiel traten für Boppard an: Sturmes Jos.
Maser Phl. Caspary Ver-Donck W. Decker R. Hermannspahn Jos. Räpple K.H. Eulenborn
Hellbach H. Decker A. Pfeiffer H.
Der Chronist vermerkt : „Eine angenehme Überraschung war Torhüter Josef Sturmes, der vor 6 ½ Jahren in der 2.Elf auf Linksaußen spielte, übrigens ein Bruder des im Kriege gefallenen Hans Sturmes, der jahrzehntelang das Bopparder Tor hütete.“
Hervorragend war auch als Rechtsaußen Eulenborn, Andi Decker war ältester Spieler und Mannschaftskapitän. Optimistisch gibt sich der Verein nach diesem Spiel, ist man doch sicher, dass mit dieser Elf an alter gute Zeiten wieder angeknüpft werden kann. Schnell konnte sich auch eine 2. Mannschaft bilden, ebenso eine 1a Jugend. Die alte Rivalität mit dem Nachbarverein
aus Salzig bereits im Spiel gegen Sp.V. Salisso am 31. März 1946 zum Ausbruch. Das Spiel in Salzig endete 3:2 für Boppard und ist als abgebrochen vermerkt, obwohl es regulär geendet hatte. Was war geschehen? Boppard erzielte
kurz vor Schluss den 3:2-Siegtreffer, das Tor wurde vom Schiedsrichter anerkannt, doch nach dem Spiel bedrängten Salziger Zuschauer den Schiedsrichter aus St. Goar und erklärten ihm, dass die reguläre Zeit längst abgelaufen war. Wie das Problem gelöst wurde und wie das Spiel gewertet wurde ist nicht mehr feststellbar, Tatsache ist allerdings, dass bereits 1946 eine Spruchkammerinstanz die Vorfälle in Salzig zu bewerten hatte. Obwohl Boppard keinen eigenen Platz hatte war die Fußballbegeisterung riesengroß. Boppard trug seine Heimspiele in Buchholz auf der Heide aus.
700 begeisterte Zuschauer kamen am 14. April 1946 „auf den Bopparder Sportplatz in Buchholz“ zum Spiel gegen den Tabellenersten VfB 1921 Niedergondershausen. Boppard verlor allerdings knapp mit 2:3, trotz angeblich besserer Leistung. Aber die Kasse stimmte, 327 Reichsmarkt wurden eingenommen. Die Fußballbegeisterung wuchs besonders bei den Jugendlichen, denn neben einer 1. und 2. Elf gab es bereits Ostern 1946 eine 1a Jugendmannschaft, 2a Jugendmannschaft und 3a Jugendmannschaft in Boppard, obwohl man über keinen eigenen Platz verfügte. Die Gegner waren aus der unmittelbaren Nachbarschaft wie Sp.V. Salisso Salzig, FC 1911 Rheinfels St. Goar, Sp.V. 08 Vesalia Oberwesel, 1.Sp.V. Buchholz, 1.Sp.V. 1931 Weiler – Boppard, VfB 1921 Niedergondershausen, Sp.V. Wacker Ney, 1.FSV Liesenfeld, FC 1921 Urbar b. St.Goar, FC Rot-Weiß Dörth, Sp.V. Leiningen – Norath, SchwarzRot Kratzenburg , Sp.V. 08 Braubach, FC Nassau Kamp, Sp.V. Dellhofen/Oberwesel. Einen hohen 15:0-Sieg landeten die Bopparder am 19.5.1946 gegen Rot-Weiß Dörth, bei dem Mittelstürmer Caspary allein 8 Tore erzielte.
Und erneut hatte das Lokalderby gegen Salzig besondere Brisanz. In Buchholz wurde das Spiel nach 25. Minuten bei einer 1:0Führung von Boppard abgebrochen. Linksverteidiger Ver-Donck war mit Salzigs Rechtsaußen Hoffmann hart aneinander geraten. Ohne eine Entscheidung des Buchholzer Schiris Kühn abzuwarten verließ die Salziger Mannschaft den Platz. Ein ganz bemerkenswertes Spiel war am
Sonntag, 16.6.1946 in Niedergondershausen. Es ging um die Meisterschaftsentscheiung im Kreis St. Goar und es muss wohl das beste spiel seit Aufnahme des Spielbetriebs nach dem 2. Weltkriegs gewesen sein. Nach großem Kampf gab es aus Bopparder Sicht lediglich ein Unentschieden mit 5:5, Halbzeit 2:3 für Niedergondershausen. Sage und schreibe 1500 Zuschauer verfolgten dieses Spitzenspiel. Für Boppard spielten . Biller I
Weirich I Räppl Altenhofen Hermannspahn Maser Decker I Eulenborn Caspary Krautkrämer I
Sturmes Am 18. August 1946 kam es schließlich zum Entscheidungsspiel , um sich für die Aufstiegsspiele zur Bezirksliga zu qualifizieren. Auf neutralem Platz in Oberwesel siegten die Bopparder gegen den VfB Niedergondershausen mit 3:1.
200 Schlachtenbummler aus Boppard begleiteten auf 5 LKW die Bopparder Mannschaft zu diesem Entscheidungsspiel. Allein durch den Transport mit 5 LKW konnte der Verein von den Schlachtenbummlern 412 Reichsmark einnehmen.
Gemeinsam mit Miesenheim und Kaltenengers spielte Boppard nun um den Aufstieg, bei dem sich 2 der 3 Mannschaften für die Bezirksliga qualifizieren konnten. Das erste Aufstiegsspiel stand unter keinem guten Stern, A. Decker und Phl. Maser mussten kurzfristig absagen, beim Stand von 1:1 fabrizierte – so die Formulierung in der Chronik – der ansonsten starke Linksverteidiger Ver-Donck 2 Eigentore, das Spiel ging mit 1:5 verloren. Und auch das 2. Aufstiegsspiel gegen Miesenheim verlor man mit 0:2, nachdem man einen Elfmeter verschossen hatte und einen Platzverweis hinnehmen musste.
Boppard/Mainz. Der FSV Mainz 05, der nach schwieriger Saison erstklassig geblieben ist, hat jetzt die Bopparder Fußball-Stiftung Kick for Help großzügig mit Trikotspenden unterstützt.
5 komplette Trikotsätze hat Kick for Help für die internationalen Fußballprojekte in Afrika und Asien von Mainz 05 erhalten. Damit sollen die Fußballprojekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche, für Mädchen – und Frauenteams sowie für Kinder und Jugendliche in einem Sinti- und Roma-Förderprojekt unterstützt werden. Die Trikotsätze von Mainz 05 wurden jetzt um das von dem Sportartikelbetreiber ABSOLUTE-TEAMSPORT-HESSE mit dem Emblem Kick for Help am Ärmel ergänzt und gehen per Post nach Indien, Kenia, Lesotho, Ruanda und Ungarn.
Christoph Hesse vom Kuratorium der Stiftung und Norbert Neuser: „Wir sind Mainz 05 sehr dankbar für die tolle Unterstützung unserer Arbeit. Für die betroffenen Spielerinnen und Spieler ist es eine hohe Motivation, in original Bundesliga-Trikots zu trainieren und Spiele zu bestreiten; die Bundesliga steht in all diesen Ländern hoch im Kurs. Wir hoffen, dass nach dem Lockdown durch die Corona-Krise schnell wieder in den Ländern trainiert und gespielt werden kann, damit die Trikots dementsprechend genutzt werden können.“
In diesem Jahr blickt der Spiel- und Sportverein 1920 Boppard e.V. auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Wegen der Corona-Beschränkungen sind die geplanten Jubiläumsveranstaltungen auf das kommende Jahr verschoben. „Rund um Boppard“ veröffentlicht in den kommenden Wochen „100 Jahre SSV Boppard“, zusammengestellt von Helmut Biller, Niko Neuser und Norbert Neuser.
Teil 2: Fußball in Boppard in den 20er und 30er Jahren Suche nach einer Spielstätte und Aufschwung
Die Frage eines geeigneten Sportplatzes zur Austragung der Fußballspiele zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des SSV Boppard und seines Vorgängers Bopparder Fußball- und Sportverein FSV Boppard. So gelang es den Vereinsverantwortlichen 1923 die Genehmigung zum Ausbau und zur Herrichtung des „Alten Friedhofes“ – heute Alter Sportplatz – zu erhalten. Auch dies kostete den Vorstand einige Mühen, denn die damaligen Stadtväter meinten, „man dürfte nicht auf den Gebeinen der Vorfahren Fußball spielen“. Erst als der bekannte Zirkus Sarasani in Boppard weilte und seine Zirkusvorstellungen „auf den Gebeinen der Vorfahren mit allerlei wildem Getier“ abhielt, billigten die Stadtväter dies auch den Fußballern. Das Gelände musste in mühevoller Kleinarbeit hergerichtet und ein Zaun zur Bahn erstellt werden. Der Verein war jetzt auch breiter aufgestellt und verfügte über eine Reservemannschaft, die mit Urbar, Kamp, St. Goarshausen, Wellmich, Osterspay, St .Goar und Oberwesel in einer Klasse spielte. Hinzu kam eine Alte Herren Mannschaft und eine 1a Jugendmannschaft, später eine 2a Jugendmannschaft. Einen Höhepunkt erreichte der Vereinsaufbau nach 1931, als die Bopparder in der höchsten Spielklasse des Westdeutschen Fußballverbandes spielten, gemeinsam mit Vereinen wie TuS Neuendorf, SV Niederlahnstein, SC Oberlahnstein und FC Germania Metternich. In der Bilanz des Spieljahres 1931/32 ist von Schriftführer Martin Staaden akribisch aufgelistet: Ligamannschaft: 38 Spiele, gewonnen 12, unentschieden 6, verloren 20, Tore: 98:125. Reservemannschaft: 25 Spiele, gewonnen 9, unentschieden 5, verloren 11, Tore: 79:76. Alte-Herren-Mannschaft: 15 Spiele, gewonnen 6, unentschieden 2, verloren 7, Tore: 40:40. 1a Jugendmannschaft: Spiele 24, gewonnen 15, unentschieden 3, verloren 6, Tore: 76:46. Gesamtzahl aller Spiele: 102 Spiele, gewonnen 42, unentschieden 16, verloren 44, Tore: 293:287 Weiter heißt es in der Bilanz über das Spieljahr 1931/32: Durch ein neues Spielsystem müssen rund 50 Prozent der Vereine absteigen. Alte Vereine wie Lützel, Neuwied 04, Preußen Koblenz, Wied Niederbieber und Metternich müssen aus der Bezirksliga absteigen. So heißt es im Mittelrheinischen Volksblatt 1932: „Betroffen vom Abstieg ist aber auch unser Verein. Jahrelang haben die Bopparder in ihrer Klasse immer an der Spitze gelegen, 1. Gauklasse, 2. Bezirksklasse, 1. Bezirksklasse und dann die Bezirksliga wurden in hintereinander folgenden Jahren im Sprung genommen. Infolgedessen ist der Abstieg für unseren Verein besonders schmerzlich. Die Bopparder aber werden trotz dieses Rückschlags, der nur auf ganz ungewöhnliche Verhältnisse zurückzuführen ist, den Mut nicht sinken lassen, gestützt auf die in der Bezirksliga sich erworbene Spielerfahrung und Härte, auch in der 1. Bezirksklasse sich durchzusetzen wissen. Das hat aber zurVoraussetzung, dass die Spieler der 1. Elf die Sommerpause mit intensivem Training ausnützen. Wer rastet, der rostet!“ Die Bilanz der Verantwortlichen endet in einem Appell an die Bopparder Bevölkerung: „Weißt Du, lieber Leser, wieviel ehrenamtliche Arbeit bei Abwicklung dieser großen Zahl Spiele und vor allen Dingen, wieviel Geld die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs trotz der Not der Zeit gekostet hat? Würdest Du einmal Einblick nehmen können, Du müsstest dieser Arbeit Anerkennung zollen und mit Deinem Beitrag unterstützen. Alle Vorstandsmitglieder nehmen Anmeldungen entgegen. Handele und hole das Versäumte schnellstens nach.“ 1934 stiegen die Bopparder allerdings wieder ab. Erst 1939 gelang es dem Fußballverein, dieses Klassenziel wieder zu erreichen. Allerdings betritt man wegen des Kriegsausbruchs nur noch ein einziges Spiel gegen TuS Neuendorf, , dass mit 1:4 verloren ging. Den erneuten Aufstieg in die höchste Klasse schilderte das Nationalblatt wie folgt: „Auch diese Einheit hat nicht unverdient den Aufstieg geschafft. Sie zählt zu den Mannschaften, die schon Jahre lang einen guten Fußball spielten und vor allem zu Hause eine Mannschaft sind, die so leicht nicht ‚aus dem Sattel‘ gehoben wird. In der kommenden Saison haben die Bopparder ebenfalls die Gelegenheit, gegen spielstarke Mannschaften ihr Können zu beweisen“. Mit dem Kriegsausbruch am 1. September 1939 wurde der Spielbetrieb, obwohl die anderen Mannschaften der Klasse noch weiterspielten, in Boppard eingestellt. Es folgten schlimme 6½ Jahre, in denen der Fußballsport in Boppard brachlag. Boppard hatte vor allem in den 30er Jahren Auswahl einige herausragende Spieler. „Im großen Fußballkampf“ Gau Hunsrück gegen Gau Koblenz stellte Boppard in der Auswahlmannschaft Hans Sturmes (Torwart), Alf Weirich als Mittelläufer sowie Clemens Steiner und Willi Altenhofen als Rechtsaußen und Halbrechts. Jochen Steiner, nach dem Krieg gemeinsam mit seinem Bruder Klaus Steiner für den SSV Boppard erfolgreich, berichtet in seinen Erinnerungen von Alf Weirich, dem damals wohl besten Bopparder Spieler, der eine Einladung der Deutschen Nationalmannschaft zu einem Lehrgang erhalten haben soll, von der er aber nie erfuhr. Es ging das Gerücht, dass die Vereinsleitung die Anfrage „heimlich“ verschwinden ließ aus Sorge, dass Boppards bester Spieler dann von größeren Vereinen abgeworben werde. Der Vorfall wurde nie aufgelöst. Lange Jahre erfolgreich spielte auch Andi Decker von der 4a Jugend 1924 bis zur 1. Mannschaft als 37-jähriger Stammspieler nach dem Krieg 1949. Ein bemerkenswertes Ereignis war das sogenannte Propagandaspiel am 2. Januar 1938 um 2.30 Uhr nachmittags auf dem städtischen Sportplatz: die Alten Kanonen gegen die 1. Meister-Elf, mit Protektor Franz Adolf Lorenz und Pressefotograf Carl Daiber.
In diesem Jahr blickt der Spiel- und Sportverein 1920 Boppard e.V. auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Wegen der Corona-Beschränkungen sind die geplanten Jubiläumsveranstaltungen auf das kommende Jahr verschoben. „Rund um Boppard“ veröffentlicht in den kommenden Wochen „100 Jahre SSV Boppard“, zusammengestellt von Helmut Biller, Niko Neuser und Norbert Neuser.
Teil 1: Gründung des Vereins 1920 bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges
Viele Höhen, viele Tiefen, aber immer die Hoffnung auf bessere Zeiten. Seit 1920 steht der SSV Boppard beim Fußball in dieser Stadt für große Erfolge, aber auch für herbe Enttäuschungen. Als der Verein 1920 gegründet wurde, war der Fußballsport in Deutschland gerade populär geworden. Zu den Gründungsvätern des Bopparder Fußballsportvereins (FSV), wie der SSV damals hieß, gehörten neben Ingenieur Wilhelm, der auch den Vorsitz übernahm, Josef Hewel, Philipp Noll, Kaspar Hilgert, Hans Hommen, Rudolf Koelges, Jockel Esper, Martin Mohr und Clemens Steiner. Zunächst spielte man auf dem Sportplatz am Gymnasium, der jedoch bald für den Spielbetrieb gesperrt wurde. Dennoch war der Idealismus im neugegründeten Verein so groß, dass man, da in Boppard keine Möglichkeit mehr bestand, trotz großer finanzieller Belastung und unendlicher Mühen auf auswärtigen Plätzen spielte. Der zwischenzeitliche Versuch, auf dem Gelände des Grapenhofs in Selbsthilfe einen eigenen Platz zu planieren, wurde schnell wieder aufgegeben. Hauptgrund dafür war, dass es 1923 gelang, die Genehmigung zum Ausbau des „Alten Friedhofes“ als Sportplatz zu erhalten. In mühevoller Kleinarbeit wurde das Gelände in Eigeninitiative hergerichtet. Das Platzproblem war nun aber für lange Zeit gelöst. Die sportliche Entwicklung erreichte in den Jahren nach 1931 einen Höhepunkt: Von 1931 bis 1934 spielten die Bopparder zusammen mit Vereinen wie TuS Neuendorf, SV Niederlahnstein, SC Oberlahnstein und FC Metternich in der höchsten Spielklasse des Westdeutschen Fußballverbandes. Leider stiegen sie 1934 wieder ab. Ein Höhepunkt der erfolgreichen Jahre war das ehrenvolles 2:2-Unentschieden vor mehr als 1000 Zuschauern gegen den mehrmaligen Landesmeister Union Luxemburg, die mit 5 Nationalspielern an Ostern 1934 auf dem heimischen Fußballplatz in Boppard angetreten waren. Die lokale Presse war voll des Lobes über eine Klasseleistung und sah „ein schönes und schnelles Freundschaftsspiel. Breitbach im Tor war ausgezeichnet, und Boppard konnte (nach einer 2-ToreFührung) nur unter Aufbringung aller Kraft und unter Hinzunahme allen Eifers dieses Unentschieden retten.“ Am 1. September 1937 wurde im Gasthaus „Winzerverein“ die Vereinigung der beiden Sportvereine TG 1892 Boppard und des Bopparder Fußballsportvereins auf Druck des damaligen NS-Regimes vollzogen. Zu einem „legendären“ Freundschaftsspiel kam es am 2. Januar 1938. Aus ehemaligen Spielern des „FSV“ hatte sich eine AlteHerren-Mannschaft formiert, die auf die aktuelle Stammelf der Turn- und Sportgesellschaft traf. Spielleiter war Franz Görg. Das Spiel gewann die, so die Presse, „junge Meisterelf durch bessere Körperkonstitution nach vielem und schönem Kampf“ in einem torreichen Spiel mit 6:4 Toren. Und vorher: „Ganze Fässer Bier und Wein sind verwettet worden.“ Unter den zahlreichen Zuschauern war auch „Protektor“ Franz Adolf Lorenz sowie Pressefotograf Karl Daiber. Schon damals war der Jugendfußball eine starke Säule des Vereins. Am 29. März 1936 zitierte die Presse beim 7:2-Sieg des „Sorgenkindes“ 2. Mannschaft: „… zumal der Kampf mit einigen Leuten der Jugendmannschaft durchgeführt wurde. Aber nicht Ersatz waren diese, sondern eine beträchtliche Verstärkung für unsere 2. Elf.“ Erwähnenswert sind auch die damaligen politischen Einflüsse auf den Sport. So ist beispielweise in den sorgfältig geführten Protokollbüchern folgendes aus dieser Zeit dokumentiert: 29.3.1936: Spielfrei für alle Mannschaften, da der FSV Boppard geschlossen an dem Treuebekenntnis zum Führer teilnimmt. Bei dem abendlichen Fackelzug war der FSV mit 38 Teilnehmern der stärkste zivile Verein, Standartenträger und Begleiter im Dress. 20.3.1938: Anlässlich der Reichstagsrede des Führers spielfrei! In der Saison 1938/1939 gelang der sportliche Wiederaufstieg der 1. Mannschaft. Allerdings wurde aufgrund des Kriegsausbruchs nur noch ein einziges Spiel gegen den TuS Neuendorf bestritten, das mit 1:4 verloren ging. Vor Beginn dieser Saison schrieb das „Nationalblatt“: „… Auch diese Einheit hat nicht unverdient den Aufstieg geschafft. Sie zählt zu den Mannschaften, die schon jahrelang einen guten Fußball spielen und vor allem zu Hause eine Mannschaft sind, die nicht so leicht aus dem Sattel gehoben wird. In der kommenden Saison haben die Bopparder ebenfalls Gelegenheit, gegen spielstarke Mannschaften ihr Können zu beweisen …“
Boppard/ Bendorf. Mit einer Trikotspende hat jetzt die Turnerschaft Bendorf Sportprojekte der Bopparder Stiftung Kick for Help unterstützt.
Die Jerseys der Bendorfer Handballer sind für Hilfsprojekte in Lesotho im südlichen Afrika vorgesehen. In dem kleinen Königreich Lesotho arbeitet die Stiftung Kick for Help mit der fast namensgleichen Foundation Kick4Life zusammen. Mit ihren Sportprojekten kümmert sich Kick4Life seit mehr als 10 Jahren in Sportprojekten um sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
Die Trikotspende geht auf eine Idee des Bendorfer Trainers der 1. Handballmannschaft Thomas Gutfrucht und Ferhat Cato zurück, die die Idee hatten, mit den Bendorfer Handball-Jerseys einen kleinen Beitrag für die Sportprojekte in Afrika zu leisten.
Die Fußball-Stiftung Kick for Help stellt sozial-engagierten Fußballvereinen kostenlos Trikotsätze zur Verfügung: einzige Bedingung, die Vereine verpflichten sich, in den Jahren 2020 und 2021 jeweils eine Benefiz-Veranstaltung durchzuführen, bei der der Erlös bzw. ein Teil des Erlöses in die Fußball-Projekte in den Entwicklungsländern der Stiftung Kick for Help in Kenia, Indien und Ruanda fließen.
Die Fußball-Sets werden von der Sportartikel-Firma Hesse, Ruppach-Goldhausen, gespendet.
Mit dieser Aktion wollen die Verantwortlichen der Stiftung sozial-engagierten Fußballvereinen helfen und sie gleichzeitig animieren, sich über den Fußball hinaus für Entwicklungsprojekte von benachteiligten Kindern, Jugendlichen und insbesondere Mädchen und Frauen einzusetzen.
Nähere Informationen bei der Stiftung Kick for Help: E-Mail info@kick-for-help.de oder telefonisch unter 06742 804437.